Indien “Spielmobil”

Bei unserem ersten Besuch in Indien im Juni 2010 haben wir mit Erstaunen festgestellt, dass die Kinder dort nicht spielen. Selbst bei Zusammenkünften von mehr als 10 Kindern entstand kein „Miteinander Spielen“, so, wie wir es hier in Deutschland kennen. Wir haben bei den Kindern auch kein Spielzeug gesehen – sie besitzen keines, höchstens ein paar bunte Glasmurmeln, und das war auch schon die Ausnahme. Fehlende Spielutensilien sind aber nicht der einzige Grund, warum Kinder nicht spielen, denn es gibt genug anderes, was dazu anregen könnte. Es ist einfach so, dass diese Kinder es nie gelernt haben, zu spielen. Ihre Eltern – wenn sie überhaupt welche haben – haben nicht die Zeit, um mit ihren Kindern zu spielen, sie müssen arbeiten. Und die Kinder selbst haben dazu keine Zeit, weil auch sie mit in die anfallenden Arbeiten in Familie und Haushalt einbezogen werden. Manche sind sogar billige Arbeitskräfte in Fabriken oder in der Landwirtschaft. Wann sollte also Zeit sein, um zu spielen? Und wer sollte es den Kindern beibringen? Das war für uns eine erschreckende Tatsache und brachte uns auf die Idee, ein Projekt „Spielmobil“ ins Leben zu rufen.

Geplant ist , dass ein Auto (Kleinbus o.ä) regelmäßig – zu Beginn vielleicht 1mal pro Woche- verschiedene Orte im ländlichen Raum anfährt. An einem zentralen Platz im Ort macht das Mobil dann Halt und bietet für die ansässigen Kinder die Möglichkeit, unter Anleitung bzw. Betreuung von 1-2 Mitarbeitern zu spielen, zu basteln und anderweitig kreativ tätig zu sein. Dazu ist das Mobil mit verschiedenen Spielgeräten (Bälle, Seile, Reifen,Jongliersachen, Schwungtücher…) und Bastelmaterial (Papiere, Pappen, Farben, Kreiden, Holz, Ton, Wolle,Stoffrester , Werkzeuge, Pinsel…) und einigen Klapptischen und –stühlen ausgestattet. Diese Sachen werden den Kindern am „Spielmobiltag“ unter Anleitung zur Verfügung gestellt, das heißt, es wird mit den Kindern gespielt, gebastelt , gewerkelt und gebaut. Dabei wird darauf Wert gelegt, dass die Kinder beim kreativen Gestalten und Spielen überwiegend Materialien verwenden, die sie in ihrer Umgebung finden können und die nichts kosten(Holz, Plaste, Pappe, Papier, Strick, Naturmaterial, Lehm, Ton, Stoffreste, leere Büchsen, Flaschen…). Somit können sie jederzeit selbst kreativ tätig sein. Auch der Großteil das Inventars des Mobils ( Stelzen, Seile, Puppentheater, Marionetten, Instrumente, Verkleidungskoffer…) sollte mit den Kindern selbst „hergestellt“ werden, so dass sie angeregt werden, für sich selbst diese Dinge auch anzufertigen. Wichtig ist uns also, dass die Kinder nicht zum Konsum angeregt werden, sondern dazu, selbst kreativ tätig zu werden. Die Spielmobileinsätze könnten jeweils unter einem bestimmten Thema stehen (Geburtstag,Theater, Zirkus, Tanz und Musik, Malen, Plastisches Gestalten, Marionettenbau, Sport, Wettspiele…). Bei den Einsätzen können auch die Eltern der Kinder oder andere Dorfbewohner mit einbezogen werden, so dass rege Kontakte entstehen und ehrenamtliche Helfer vor Ort gefunden werden. Je nach Wetterlage sollte auch eine Ausweichmöglichkeit (Kirche, Zelt) für die Einsätze gefunden werden.

Für dieses Projekt sind erforderlich: Auto bzw. Kleinbus, Inventar (Spielgeräte, Bälle, Werkzeuge, Pinsel, Klapptische, Stühle oder Bänke, Bastelmaterial…), 1-2 Betreuer und mehrere ehrenamtliche Helfer vor Ort.

Es wäre denkbar, dass in der Anfangszeit ein Betreuer aus Deutschland (evtl. mit pädagogischer Ausbildung oder Erfahrung im spielpädagogischen Bereich) das Projekt betreut und begleitet und dabei 1-2 Einheimische anleitet, die es dann in Eigenregie weiterführen.
Der Kauf des Mobils, die Betreibung und Unterhaltung sowie die notwendige Ausstattung müssen über Spenden finanziert werden. (Autohäuser fragen, Spielzeughersteller…)

Ziel dieses Projektes ist es, die Kinder an den Orten aufzusuchen, wo sie wohnen und ihnen dort die Möglichkeit zu geben, spielend zu lernen und kreativ tätig zu werden. Dabei werden Kontakte zu den Familien der Kinder geknüpft, die weiter ausgebaut werden können, um auch hier Kreativität zu fördern. Durch die Vielfalt und Regelmäßigkeit der Einsätze wird die gesamte Dorfgemeinschaft belebt.

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