Reisebericht-Frühjahr-2011

vor allem viele Süßigkeiten wie Bonbons, Schokolade, Pfefferkuchen und jede Menge Gummibärchen; die es in Indien nicht zu kaufen gibt und deshalb heiß begehrt sind.

Liebe Freunde und Unterstützer des „House of Mercy“ Projektes

Am 11. Januar 2011 startete unser 4 köpfiges Team seine 8-tägige Reise nach Indien.

Im Gepäck hatten wir diesmal kleine Spielsachen (Kreisel, Fingerpuppen, Bälle, Jongliersachen, Jojos, Hand-und Fingerpüppchen…), Schulmaterial, Farben, Stifte und vor allem viele Süßigkeiten wie Bonbons, Schokolade, Pfefferkuchen und jede Menge Gummibärchen; die es in Indien nicht zu kaufen gibt und deshalb heiß begehrt sind.

 

Nach dem Flug von München über Dubai nach Hyderabad wurden wir mit offenen Armen, strahlenden Gesichtern und bunten Blumensträußen von der gesamten Familie Ruben liebevoll empfangen. Sie waren tatsächlich alle zum Flughafen gekommen! Wir fielen einander in die Arme und genossen unser aller Wiedersehen.

Vom Flughafen aus fuhren wir zu Percy und Daniels Haus (Percy ist die älteste Tochter der Familie Ruben, Daniel ihr Mann). Hier waren wir die ersten drei Nächte untergebracht.

Nach unserer Ankunft im Haus gab es für uns Angekommene zunächst eine Zeit der Ruhe, um die doch etwas anstrengende Reisezeit (insgesamt ca 23 Stunden) zu verarbeiten. Danach hatten wir Gemeinschaft mit der Familie und konnten die Vorhaben für die kommenden Tage abstimmen.

Wir waren gekommen, um an verschiedenen Orten im Distrikt zu den Menschen in den dortigen Kirchgemeinden zu predigen, um Kontakt zu den Pastoren der Dörfer aufzunehmen und um sich einen Überblick über den Stand der Entwicklung des Kinderheimes zu verschaffen. EbenfallsAnliegen der Reise war es, uns die aktuelle Situation der betroffenen Kinder vor Ort, d.h. in den Dörfern, in denen sie leben, anzusehen und mit den Kindern selbst zu reden. Wir wollten von ihnen selbst hören, wie ihr Alltag aussieht, welche Sorgen und Probleme sie haben, wo und wie aus ihrer Sicht geholfen werden kann. Natürlich wollten wir auch das Gelände des Kinderheimes sehen und etliche organisatorische Dinge mit unseren Partnern (David und Moses) persönlich besprechen und klären.

So kam es, dass wir alle an den beiden ersten Tagen (Donnerstag und Freitag) an einer christlichen Jugendkonferenz in Hydarabad teilnahmen. Moses und seine Schwester Percy hatten diese Konferenz organisiert. Sie fand in einem großen Saal des Universitätsgeländes in Hydarabad jeweils in den Vormittagsstunden (von 9-12 Uhr)statt. Es nahmen viele Studenten daran teil, die sehr begierig darauf waren, die Botschaft, aufzunehmen.

 

 

 

Am Nachmittag des zweiten Konferenztages fuhren wir nach der Veranstaltung nach Vijiyawada, in das Haus der Familie Ruben, wobei uns diesmal von der Familie nur Moses und David auf der 7 stündigen Reise begleiteten.

Am Morgen des vierten Tages (Samstag) starteten wir dann von Vijiyawada aus zu den ersten drei Dörfern im Distrik, aus denen die Kinder kommen. Moses hatte es für uns organisiert mit einigen der Kinder selbst zu reden und auch ihre Wohnunterkünfte zu besichtigen. So konnten wir an den zwei Tagen in 7 Dörfern mit 17 Kindern reden. Moses übersetzte unsere Fragen in die Muttersprache, keines der Kinder sprach englisch.

Wir baten die Kinder, uns ihre aktuelle Lebenssituation zu schildern – wer für sie sorgt,ob sie ein Bett, Kleidung und regelmäßiges Essen haben, ob sie zur Schule gehen und wie sie dahin kommen, welche Sorgen und Ängste sie bedrücken, welchen Beruf sie gern einmal erlernen möchten, ob sie Freizeit und welche Vorstellungen sie haben, wie wir in Deutschland ihnen helfen könnten… Die Kinder gaben gern Auskunft, denn sie kannten Moses und er war ihnen eine enge Vertrauensperson, das war uns sofort aufgefallen.

Viele Eltern der befragten Kinder gehen in andere Verwaltungsbezirke arbeiten, meist für mehrere Monate, so dass sich andere Familienangehörige – oft die Großeltern – um die Kinder kümmern. Nun ist es jedoch so, dass das betroffene Kind, das die Unterstützung erhält, nicht das einzig zu versorgende in der Familie ist. Aus diesem Grund kann es leider vorkommen, dass trotz der regelmäßigen finanziellen Unterstützung, die seit letztem Jahr dank der Spenden möglich ist, beispielsweise eine Versorgung mit genügend Essen nicht in jedem Falle abgesichert ist. Mit genügend essen nicht – aber wenigstens mit einer regelmäßigen Mahlzeit pro Tag. Vor der Unterstützung war es an manchen Tagen oft so, dass es garnichts zu essen für die Kinder gab. Dann mußten sie betteln gehen oder haben gehungert. Und das sah man ihnen auch an. Sie sind alle unterernährt und demzufolge auch unterentwickelt, besonders die Jungen.

Seit der Unterstützung durch unseren Verein ist der Schulbesuch der 35 Kinder abgesichert, sie besuchen alle regelmäßig eine staatliche Schule.

Viele der befragten Kinder hatten aber nicht ausreichendes Schulmaterial – Stifte, Bücher, Hefte…- manche besaßen kein Bett und keine Schuhe, nicht einmal ein paar „Flips“ (Badeschlappen). Die Frage nach einem Hobby in der Freizeit (wie malen, Fahrradfahren…) oder nach Spielzeug erübrigte sich. Moses sagte uns: „Diese Kinder wissen nicht, was ein Hobby ist und sie haben auch nicht gelernt, zu spielen. In ihrer Freizeit müssen sie bei der anfallenden Arbeit in der Familie helfen, oder sich um die jüngeren Geschwister kümmern…“

Einige der befragten Kinder müssen sogar mit den Erwachsenen aufs Feld arbeiten gehen, noch bevor sie dann in die Schule laufen. Da weiß man ungefähr, wann diese Kinder früh aufstehen müssen…

An medizinische Grundversorgung ist in diesen Dörfern nicht zu denken. Da ist kein Arzt in der Nähe und die Fahrt in die Stadt kann nicht bezahlt werden, noch weniger die ärztliche Behandlung. Wenn ein Kind krank wird, dann ist es eben krank…

Wir haben einen kleinen Jungen getroffen, (etwa vier Jahre alt), der bei einem Unfall sein rechtes –Auge verlor – niemand konnte ihm helfen, als es passierte…

 

Ein dreizehnjähriges Mädchen, dessen jüngerer Bruder Unterstützung erhält, ist von ihren Eltern aus der Schule genommen wurden, um aufs Feld arbeiten zu gehen. Geld verdienen, um überleben zu können, ist oft wichtiger, als den Kindern Bildung zukommen zu lassen. Dabei sind die Mädchen besonders benachteiligt. Die hoffen dann auf eine baldige und gute Heirat…

 

Die Unterkünfte der Kinder in den Dörfern sind primitiv und mehr als ärmlich. Sie wohnen mit den anderen Familienmitgliedern in kleinen, engen und elenden Hütten. Vor der Hütte gibt es eine Wasch- und eine Kochstelle, alles einfach und unhygienisch. Sanitäre Anlagen kennt man dort nicht.

 

 

 

Ein Junge lebt bei seinem älteren Bruder, der Montagearbeiter beim Bau ist. Ihre Unterkunft war tatsächlich nur eine Art „Palmenhütte“ mit zwei Liegen als Inventar.

Trotz dieser Armut wirkten die Kinder, mit denen wir reden konnten, fröhlich und hoffnungsvoll. Sie freuten sich über unseren Besuch und waren dankbar für jede Umarmung und jeden Händedruck.

Sie erzählten uns mit traurigen Augen von ihrem Elend, ihrem Hunger, ihrem Alleinsein und der Sehnsucht nach den Eltern. Und sie ließen uns teilhaben an ihren Träumen von einer guten Schulausbildung, von genügend Essen, Kleidung und Fürsorge, von Teddybären, Barbiepuppen, Spielzeugautos und Fahrrädern und ….. von einem glücklichen Leben im Kinderheim „House of Mercy“, und dabei strahlten ihre Augen besonders hell.

Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sich die Situation der Kinder, die im Moment unterstützt werden, wesentlich verbessert hat. Regelmäßiges Essen ist sehr viel wert. Die Absicherung des Schulbesuches ist auch gewährleistet durch die Unterstützung. Leider reicht die finanzielle Hilfe noch nicht für alle Kinder, die in den betroffenen Familien leben. Momentan können nur 35 Kinder unterstützt werden, der Bedarf ist viel, viel größer, da hinter jedem dieser Kinder eine Familie mit mehreren Kindern steht. Es sind die ärmsten der Armen, denen die Spenden zugutekommen.

Das Geld wird verantwortungsbewusst verteilt und auch ordnungsgemäß uns gegenüber abgerechnet. Durch Moses und auch David wird der Kontakt zu den betroffenen Familien aufrechterhalten, die Kinder werden monatlich in den Dörfern besucht. Die Pastoren vor Ort betreuen ebenfalls die Familien, in denen die Kinder leben.

Nach den Besuchen in den einzelnen Dörfern haben wir auch den Platz, auf dem das ehemalige Kinderheim steht, besichtigt. Wir konnten den Zaun begutachten, der das Gelände nun eingrenzt und absichert .Besonders gefreut haben wir uns über die 260 neu gepflanzten jungen Bäumchen entlang des Zaunes. Das war eine wunderbare Initiative unserer indischen Partner. Die Bäumchen vermittelten ein Symbol des neuen Lebens, und damit der großen Hoffnung auf die baldige Fertigstellung des gesamten Gebäudes.

Abschließend kann ich sagen, dass wir mit einem sehr guten Gefühl und voller Hoffnung aus Indien zurückgekehrt sind.Wir haben für uns festgestellt, dass wir dort mit unserem Engagement am richtigen Platz sind. Es kann mit wenig Geld sehr viel erreicht werden und es liegt uns sehr am Herzen, noch mehr Menschen zu finden, die auch helfen wollen – durch eine Patenschaft, durch Spenden, durch persönliche Einsätze vor Ort… durch eigene Ideen.

Somit war die zweite Indienreise war für uns noch bewegender, als die erste. Wir sind von der “Oberfläche“ etwas weiter in das „Herzinnere“ gedrungen und sind sehr dankbar, diesen Dienst tun zu dürfen.

Wir möchten alle bitten, denen es auf dem Herzen liegt, diesenDienst in Indien weiter zu unterstützen.

Danke und Shalom

Bettina Münchberg und das Indien Team

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